Dienstag, 24. Februar 2015

Über die Liebe



So meine Lieben, das Frühlingsfest in noch im vollem Gange, gefühlt alle Läden haben zu, bis auf den Starbucks. Genau dort treffen wir uns heute nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder mit unserer chinesischen Freundin CC. Jetzt, da Feiertage sind, hat sie endlich mal wieder Zeit für sowas wie Freizeit. Unvorstellbar, bei dem ungeschlagenen Pensum an freien Tagen, die wir haben. Erst treffen wir uns auf einen Kaffee und später steuern wir dann den Longtan-Park an, von dem CC weiß, dass dort gerade die Pfirsichblüten blühen sollen. Ich freue mich.


Es war ganz angewohnt sie so zu sehen. Sie hatte ihre Haare von schwarz auf einen kupferigen Orangeton gefärbt und trug nun eine andere Brille, passend dazu. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie gut chinesische Friseure das mit den Haarfarben hinkriegen, wenn man bedenkt, dass es sich jedes Mal um die unpraktische Farbe „Schwarz“ handelt, die es zu verändern gilt. Es stand ihr gut, muss ich sagen.

Sie kam auf uns ganz aufgeregt zu, mit einer Tüte selbst-getrockneter Kirschtomaten in der Hand. Zum Glück habe ich dieses Mal mit einem Geschenk gerechnet und noch Hals über Kopf einen lieben Neujahrsbrief an sie geschrieben, den ich ihr im Gegenzug überreichen konnte. Da man mich mit Trockenfrüchten jagen kann, schob ich sie schnell in meine Tasche und beschloss, sie für meine Eltern aufzuheben, die in drei Wochen zu Besuch kommen würden. Dann bestellten wir einen Kaffee und quatschten über dies und jenes.

Es stellte sich heraus, dass CC wie die meisten Chinesinnen ein kompletter Valentinstags-Freak war. Ich wusste nicht, wie ein Mensch, der noch nicht mal einen Partner hatte, so auf diesen Tag abgehen konnte. Sie löcherte Elli, wie sie ihn für gewöhnlich mit ihrem Freund verbrachte, nur war das ein ganz schlechtes Thema. Elli hasste Valentinstag und hielt es für nichts weiter als kommerzielle Geldmache, was CC zugegeben sehr schockierte. In China ist dieser Tag super populär, da Single sein ja so ein „No-Go“ war. Ich war an diesem Tag mit Yasi und Elli im „SongSong“, dessen Deko schon für chinesische Verhältnisse extrem krass war. Es waren mehr Luftballon mit der Aufschrift „I love you“, als Menschen im Club. Das Partyvolk dort schien auf notorischer Telefonkontakt-Suche zu sein. Ja, ich glaubte CC, dass sie Valentinstag liebte.

Jetzt war es Zeit für den Longtan-Park. Wir hatten wunderschönes, mildes Frühlingswetter erwischt, wie wir es von Deutschland frühestes im April gewohnt waren. Dementsprechend war der Park sehr überlaufen, auch weil einige Pflanzen schon in voller Pracht blühten. CC war nun nicht mehr zu stoppen, wollte von allem ein Bild, selbstverständlich mit uns davor. So entwickelte sich der Parkbesuch zu einer Art Fotoshooting, das aber zugegebenermaßen auch Spaß machte. CC erklärte uns, dass die Pfirsichblüten in China für die Liebe stehen. Deshalb gab es so einen Ansturm, weil alle Singles ein Foto mit ihnen machen wollen, um im nächsten Jahr das große Liebesglück zu finden. Halleluja. 

Auf dem Rückweg berichteten wir CC, dass wir die Leidenschaft der Chinesen zum Feuerwerk so komplett verrückt finden. Dazu meinte sie nur: „Ja das ist wirklich war. Das wird jetzt noch 14 Tage so anhalten, bis das Frühlingsfest ganz vorüber ist.“ Wo waren nur meine Ohrenstöpsel?



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